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Der Leib und sein neues Kleid in der Welt, ihrer Zeit und der Ewigkeit (Äon)

Nur ihnen war das eine Wort am Ende nicht bekannt: Leib. Die konkrete Körperlichkeit. Das Freude empfinden und den Schmerz. Jedenfalls nicht als heiliges Wort in der Geschichte der Menschen. Der Generationen von Menschenkindern, in deren Kette Paulus oder sein Schüler einen einzigen für alle nennt: Christus.

Prunkgewänder und notdürftige Tücher, in die sich die Armen oder Links-Liegengelassenen oder einfach nur die jungen mittellosen Mütter oder die Sklavinnen hüllten.

Es war damals die Gemeinde jenseits der Winde und Wellen und Würfelspiele, die versuchte, Alle zu beherbergen und ihnen ein Zuhause, ein neues Kleid zu schenken. Im Einklang des Herzens, das die Schönheit Gottes in Christus erkennt.

Es war vor 70 Jahren die Bekennende Kirche, die mit ihrem Barmer Bekenntnis noch einmal klar herausrief, dass Jesus Christus in dieser Welt seine Brüder (und Schwestern) zum Eigentum erwählt. Und dass dies von keinem Kirchen- oder Staatsamt behindert werden darf.

Da müssten uns die Augen und Ohren aufgehen, bei dem Zustand unserer Welt, den Vielen auf der Flucht vor Krieg oder Katastrophen. Da müsste ein Leib gebildet werden, der über alle Grenzen hinweg Christus erwartet – in Bewegung.

Da müßten die Grenzen Europas weiter gemacht werden als bis zur spanischen Enklave Ceuta in Marokko oder bis zu den Kanaren oder bis zu den griechischen Inseln, die fast ans alte Ephesus oder heutige Izmir stoßen.

Da müsste es aber auch eine innere Größe geben, die Leiden bemerkt und den Leib ernst nimmt, der Zeichen seelischer Schwäche zeigt. Da gäbe es viel zu tun für eine Gemeinde jenseits der Winde und Wellen und Würfelspiele.

Umso erbärmlicher, dass sich das eben Gesagte mitunter genauso zuträgt inmitten der ursprünglichen Lebensregion Jesu: Palästina-Israel  -  wenn auch politisch-diffiziler und schwerer beurteilbar !

Es gibt aber eine Geschichte des Glaubens, insbesondere in der nachreformatorischen Begegnung von Judentum und Christentum, die das hat vermeiden wollen: Die versöhnende Geschichte von Menschen, die sich begegnet sind als Juden oder Christen oder gar als Heiden, als die sie beschimpft wurden. Und die die Rede vom Leib des Messias ernst genommen haben. Viele von ihnen haben gerade christlicherseits den Epheserbrief in ihren Schriften zitiert. Und jüdischerseits die Kabbala, das jüdische Buch der Mystik; weil das den Weg der Versöhnung in der Körperlichkeit der Buchstaben der Thora vorgezeichnet sieht. Und damit auch den Weg des Messias.

Übrigens auch ein ehemaliger Lübecker und Lüneburger Superintendent. Der hat um 1700 in Magdeburg Zuflucht gesucht. Und sie gefunden, für ein paar Jahre auf einem Gut in Niederndodeleben. Die Scheune ist vor kurzem erst abgerissen worden. Das in Stein gemeißelte Auge Gottes, unter dem er gebetet hat, konnte gerettet werden.

Er hat im Nachklang an den Epheser- und den Kolosserbrief mit seiner Frau ein  persönliches Glaubensbekenntnis formuliert, das heute wieder im Internet zugänglich ist: Johann Wilhelm Petersen und seine Frau Johanna Eleonore. Leibniz hat sie gekannt und hätte beinahe ein Buch mit ihnen zusammen geschrieben.

Und ein anderer hat mit anderen zusammen unter anderem diesen Versen des Epheserbriefes nach-gedacht und das wichtigste Bekenntnis der evangelischen Kirchen Deutschlands im 20. Jahrhundert geschrieben. Karl Barth. In der III. These der Barmer Theologischen Erklärung der Bekennenden Kirche werden unsere Verse 15 und 16 ausgelegt:

„Lasset uns rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist.“.

1986 hat dann - quasi prophetisch - der Ostberliner Theologe Wolf Krötke die Gültigkeit dieses Aufrufs und Bekenntnisses für DDR – und BRD- Kirche dargelegt. Übrigens mit vielen Verweisen auf Dietrich Bonhoeffer. (Wolf Krötke, Bekennen-Verkündigen-Leben, Stuttgart und Berlin 1986)

Und Pfingsten 2006 stehen wir immer noch vor dieser messianischen Friedensfrage: Wie können alle Rechtschaffenen auf dieser Erde in einem Leib in Liebe zusammengefügt werden?

Aber es mögen unscheinbare Dinge sein, die am Ende eine große Rolle spielen werden. Ephesus ist untergegangen. Ein kleines Sendschreiben aus der Theologen-Schule des Paulus ist geblieben. Neben den wenigen Ruinenstätten

der Handelsstadt, die übrigens versandet ist:  Unter dem Wind des Meeres.   

                                                                   photo by www.kusadasi.biz /temple-of-artemis.asp      

 

 

                Die Rede vom Leib des Messias, der zwischen Himmel und Erde Menschen zu seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern macht, ist aber auch fast vergessen – zumindest in unsern großen Theologenschulen und – büchern. Auf manchen Internet-Seiten taucht sie wieder auf. Christus fährt zum Himmel, macht Gefangene und steigt wieder herab (Eph 4, 8). Die Menschen aus Ephesus ahnten die Bedeutung: Wir stehen in einer Geschichte des Mitleidens.

Die Spuren des Leibes Christi sind sichtbar an denen, die er zu seinen Mitgefangenen gemacht hat.

Nicht in irgendeinem Tempel oder Gotteshaus sondern im Kosmos. Im All. Der Epheserbrief benennt diesen Raum mit einer Kategorie der Zeit: Aion. So steht es in einem der Schlüsselverse, dem letzten unsres Vorkapitels, Epheser 3. Außer dem Römerbrief nennt kein anderer so oft und so geschickt miteinander verknüpft Zeit und Raum im Zusammenhang von Himmel und Erde:

In Christus soll die Zeit zusammengefasst werden und eine Umkehrung der Größenverhältnisse geschehen!

Wir Christen haben außer wenigen Ikonen der Ostkirche (u. Rembrandt !) keine Bilder mehr für den Mantel der Gerechtigkeit in den seine NachfolgerInnen mit „hineinverwickelt“ sind.                  

VII Dormants

Bild zur 18. Sure aus www.moncelon.com /symbole2

Ahl al-Kahf (Gefährten der Höhle)

 

Der Islam kennt mit den kleinasiatischen Christen   das Bild der Schläfer von Ephesus, die in ihren Mänteln des Propheten (Jesus oder Mohammed ?: „dem Schutz der Barmherzigkeit“) – in der Unheilszeit von Gog und Magog – ausharren, um am Ende (mit dem Propheten ?) die Begegnung mit ihrem Herrn, der „ein Einziger Gott ist“, zu erleben (18. Sure des Koran, vgl. Eph 5, 14 !).

Der Epheserbrief  fordert zur Bewegung im „(Kleid) des neuen Menschen“ auf (Eph 4, 23 und 22).

Selbst das kleinste Gelenk darf mit Kraft sich bewegen, offensichtlich weil sich am Leib ein Ausgleich vollzieht: als Bewegung zwischen Himmel und Erde, wo Menschen in Aktion treten – füreinander: „und bekommt so ein festes Gefüge durch  jedes Gelenk ....“. Die Welt war damals so weit wie heute. Die Informationen eilten langsamer um den Globus, aber vielleicht wurden sie im Umfeld des noch ganz jungen Christentums ernster genommen als heute.

Die Bilder des Epheserbriefs entstammen einer Welt, die zwischen Wahrheit und Wahn der Macht hin und her gerissen war:

Artemis im Tempelbau festgehalten, Christus auf dem Weg der Handelsstraßen und in den Häusern der einfachen Leute.

Daneben der Missbrauch der ihnen gewidmeten Zeit (ja , von Heiden und Christen !) durch Machthaber, für die allein die Projektion wirtschaftlicher und politischer Interessen in die Kulte ihrer alten und neuen Religionen zählte. Aus dieser Projektion gewannen sie mitunter gar militärische Stärke (schon im 7. Jh. v. Chr. gilt Ephesos als Beispiel einer Tyrannis,

 vgl. www.freenet.de /wissenschaft/archäologie/weltwunder/artemision  „Der Tempel der Artemis“)

Und weit abseits davon:

Prunkgewänder und notdürftige Tücher, in die sich die Armen oder Links-Liegengelassenen oder einfach nur die jungen mittellosen Mütter oder die Sklavinnen hüllten.

Es war damals die Gemeinde jenseits der Winde und Wellen und Würfelspiele, die versuchte, Alle zu beherbergen und ihnen ein Zuhause, ein neues Kleid zu schenken. Im Einklang des Herzens, das die Schönheit Gottes in Christus erkennt.

Es war vor 70 Jahren die Bekennende Kirche, die mit ihrem Barmer Bekenntnis noch einmal klar herausrief, dass Jesus Christus in dieser Welt seine Brüder (und Schwestern) zum Eigentum erwählt. Und dass dies von keinem Kirchen- oder Staatsamt behindert werden darf.

Da müssten uns die Augen und Ohren aufgehen, bei dem Zustand unserer Welt, den Vielen auf der Flucht vor Krieg oder Katastrophen. Da müsste ein Leib gebildet werden, der über alle Grenzen hinweg Christus erwartet – in Bewegung.

Da müßten die Grenzen Europas weiter gemacht werden als bis zur spanischen Enklave Ceuta in Marokko oder bis zu den Kanaren oder bis zu den griechischen Inseln, die fast ans alte Ephesus oder heutige Izmir stoßen.

Da müsste es aber auch eine innere Größe geben, die Leiden bemerkt und den Leib ernst nimmt, der Zeichen seelischer Schwäche zeigt. Da gäbe es viel zu tun für eine Gemeinde jenseits der Winde und Wellen und Würfelspiele. 

 

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